AKTUELLES

Donnerstag: Kontrapunkt, Kammermusik und Deutsche Messe
Bild
Calmus-Ensemble
Foto: Marco Borggreve

Tagesprogramm Donnerstag, 19. Juni 2014

Dom St. Nikolai, 10.00 Uhr
Geistliche Morgenmusik
(Eintritt frei, Einführung in die Bachkantate: 9.45 Uhr)

Der unbekannte Textdichter hatte die schwierige Aufgabe, für die Kantate "Erhöhtes Fleisch und Blut" BWV 173 im sogenannten "Parodieverfahren" auf die vorhandene Komposition einer Geburtstagskantate für Bachs früheren Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen einen Text zur gottesdienstlichen Verwendung am Pfingstmontag des Jahres 1724 zu verfassen. Gut, dass Bachs Musik auf diese Weise immer wieder verwendet werden konnte! So ist eine Arie (Duett Bass/Sopran) zu hören, die der Autor des Standardwerks über Bachs Kantaten, Alfred Dürr "zu den originellsten Ariensätzen Bachs" zählt.

Konferenzraum der Universität, 11.30 Uhr
"Die Drei" und Bach
Vortrag (Eintritt frei) PD Dr. Peter Tenhaef

Johann Sebastian Bach galt in der zweiten Hälfte des 18. und im frühen 19. Jahrhundert als ein schwer zugänglicher Komponist. Bach musste entgegen dem herrschenden Zeitgeschmack, der das Ideal des "Natürlichen" favorisierte, erst wieder neu entdeckt werden - und unsere "Drei" (Mozart, Beethoven, Schubert) erscheinen so gesehen weniger als blasse Bach-Nachfolger denn als mutige Pioniere, wenn sie sich auf Bachs Werk bezogen. Noch der Beethoven-Zeitgenosse und einflussreiche Musikkritiker Johann Friedrich Rochlitz rügt an Mozart, das er sich in seinen späteren Werken zu stark an Bachs düsterer Erhabenheit orientiert habe und dadurch "rauh, abentheuerlich, bizarr und verworren" geworden sei.

Kirche in Wieck, 16.00 Uhr
Mozart und der Kontrapunkt
(Restkarten an der Tageskasse)

Wolfgang Amadeus Mozart lernte in Wien über den musikliebenden Baron van Swieten Johann Sebastian Bachs Präludien und Fugen kennen. Dass Bach in dieser Kunst Einzigartiges geschaffen hatte, bemerkte nicht nur der große Nachfolger: Mozarts Frau Constanze "war ganz verliebt darein" und habe mit ihm solange "gezankt", bis auch er "eine fuge aufsetzte" beklagte sich Mozart brieflich bei seiner Schwester. Ob willig oder unwillig: Mozart bearbeitete mehrere Fugen aus Bachs Wohltemperiertem Klavier und aus der Kunst der Fuge für Streichertrio für die regelmäßigen Sonntagsmusiken beim Baron. Den Fugen stellte er jeweils einen eigenen Adagio-Satz voran, als persönliche Einstimmung auf die Fuge, die Königsdisziplin der Musik. Das ist in Wieck zu hören, gemeinsam mit Mozarts großartiger "Missa brevis" und Bachs Motette "Jesu meine Freude", meisterhaft dargeboten vom Calmus Ensemble Leipzig und dem Leipziger Concert.

Lutherhof, Martin-Luther-Straße 8, 18.00 Uhr
Mitsingeprobe
(Teilnahme kostenlos)

Gelegenheit zum Mitproben und Mitsingen der Bachkantate in der Geistlichen Morgenmusik am nächsten Tag.

St. Jacobi, 20.00 Uhr
Große Kammermusik
(Wenige Restkarten an der Abendkasse)

Bachs Konzert für drei Cembali und Orchester, Mozarts Klarinettenkonzert, Beethovens Violinkonzert - lauter musikalische Besonderheiten und Welthits. Kein Wunder, dass das Konzert schon länger ausverkauft ist. So es noch etwas Platz in St. Jacobi geben sollte und man noch eine Restkarte an der Abendkasse erstehen kann, muss man sich zumindest auf beengte Verhältnisse einstellen.

Dom St. Nikolai, 22.00 Uhr
Nachtgebet
(Eintritt frei)

Zur traditionellen liturgischen Abendmahlsfeier der Bachwoche erklingt diesmal Schuberts "Deutsche Messe". Zunächst von der Kirche abgelehnt, gewann das Werk doch durch seine Sprache und die eingängige Musik, z.B. des berühmten und gern gesungenen Chorstückes "Heilig, heilig, heilig" große Popularität und gelangte später sogar in offizielle Gesangbücher.

Dom St. Nikolai, 24.00 Uhr
Meditative Musik zum Tagesausklang
(Eintritt frei)

Die fünfte Triosonate in C-Dur ist die umfangreichste der sechs Sonaten. Sie beeindruckt Hörer und Spieler immer wieder mit ihrem 1. Satz, der befreiend und strahlend wie ein Sonnenaufgang ist, mit der hinreißenden Melismatik des zweiten Satzes. Und während die Themen des ersten Satzes durch die mehr akkordbestimmte Bildung immer offen liegen, verschlingen sie sich im dritten Satz miteinander zu zahlreichen Engführungen - ein aufregend kompliziertes Fugieren. Orgel: Silvia Treuer

Zurück