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Dienstag: Matthäuspassion und ein "Festival im Festival"
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Das Kammermusikprogramm der Greifswalder Bachwoche

Unbestritten sind die Aufführungen der großen Chorwerke Johann Sebastian Bachs und anderer Komponisten seit jeher die herausragenden Ereignisse der Greifswalder Bachwoche. Am Dienstag steht mit Bachs Matthäuspassion (BWV 244) ein "Klassiker" auf dem Programm, der im Dom St. Nikolai ab 20 Uhr eine große Hörergemeinde versammeln wird. Für Bach-"Kenner" gibt es eine interessante Variante: Die übliche strikte Doppelchörigkeit rückt etwas zusammen, indem die beiden Chöre nach einer jüngst aufgefundenen Partiturabschrift von Bachs Schwiegersohn um eine zentrale Continuogruppe herum Aufstellung nehmen. Ein bewegendes Konzertereignis ist garantiert.

Darüber sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Greifswalder Bachwoche auch ein veritables Kammermusikfestival ist! 10 Konzerte mit großer Bandbreite der Stile und Besetzungen und exzellenten Musikern (siehe unten: Gesamtübersicht der Kammermusikkonzerte) wären andernorts schon in sich ein eigenes Festival! Solistisch begann dieses "Festival im Festival" am Montag mit dem Auftakt-Clavichordkonzert des Künstlerischen Leiters der Bachwoche. Am Dienstag geht es im Duo weiter: Das deutsch-russische Duo "INVIA" (Jana Prjaschennikowa und Volker Zwetschke) spielt um 16.00 Uhr in St. Jacobi Klaviermusik zu vier Händen, u.a. von Bach, Beethoven, Rimski-Korsakov und Mussorgski.

Dem folgen am Donnerstag auf der "Dorfkirchenreise" in Ranzin ein "Russisch-deutsches Harfenrecital" (Christoph Bielefeld, Harfe) und in Liepen Bachs "Musicalisches Opfer", gespielt vom Barockensemble "Leipziger Concert" (Dora Ombodi, Traversflöte; Rahel Mai, Violine; Siegfried Pank, Violoncello; Ludger Remy, Hammerflügel).

Die traditionelle "Große Kammermusik" des Kammerorchesters der Komischen Oper Berlin unter Leitung von Gabriel Adorjan bietet Überraschendes: Am Freitag, 20 Uhr, wird in St. Jacobi neben Bachs Brandenburgischem Konzert Nr 5. auch Glasunows Saxophonkonzert (Solist Frank Lunte) zu hören sein. Dem schließt sich um 22 Uhr in der Stadthalle Greifswald unter dem Titel "BRusscussion" das Konzert des Blechbläser- und Schlagwerkensembles "Brasscussion" an, u.a. mit Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" und Schostakowitschs "Festiver Ouvertüre".

Am Samstag gibt es gleich drei Kammermusikhöhepunkte: Um 16 Uhr stellen in der Aula der Universität die Brüder Raik (Klavier) und Torsten (Violoncello) Harder die gewagte Verbindung einer Bachschen Cello-Solo-Suite mit Kompositionen Schostakowitschs und Rachmaninoffs her, Titel: "Bachmanowitsch"! Um 22 Uhr werden in der katholischen Kirche St. Josef gleich drei Musikepochen (Mittelalter, Barock, Moderne) auf virtuose Weise und in außergewöhnlicher Besetzung lebendig: Es spielen Elsbeth Moser (Bayan) und Nicolas Altstaedt (Violoncello). Um Mitternacht erklingen dann - ebenso ungewöhnlich - im Dom St. Nikolai berühmte Bachsche Orgelwerke und ihre im Russland des 18. und 19. Jahrhunderts wegen des dortigen Mangels an Orgeln benötigten Klaviertranskriptionen (Orgel: Matthias Schneider, Klavier: Johannes Gebhardt).

Ein Liedernachmittag der Sopranistin Mechthild Kornow (Klavier: Olga Bille) mit entzückenden Kinderliedern von Prokofjew, Rachmaninoff und Mussorgski beschließt den Reigen am Sonntag, 16 Uhr, in der Wiecker Kirche.

31. 5. 2010 gez. R. Lampe

Kammermusikprogramm

Montag, 31.5. 2010, 17.00 Uhr, Johanneskirche Greifswald Clavichordmusik

von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Rodrion Schtschedrin ( geb. 1930), Nikolai Sidelnikow (1931-1992), Jochen A. Modeß ( geb. 1954)

Jochen A. Modeß, Clavichord

Dienstag, 1.6. 2010, 16.00 Uhr, St. Jacobi Klavier - vierhändig

Duo INVIA: mit Jana Prjaschennikowa, Klavier Primo und Volker Zwetschke, Klavier Secondo und Moderation

Johann Christian Bach (1735-1782): Sonate F-Dur, op. 18 Nr. 6; Ludwig van Beethoven (1770-1827): Sonate D-Dur, op. 6; Modest Mussorgski (1839-1881): Sonate C-Dur; Nikolai Rimski-Korsakov (1844-1908): Drei Fugen für Klavier zu vier Händen; Franz Schubert (1797-1828): Fuge e-Moll D 952; Fantasie f-Moll D 940

Donnerstag, 3.6., 12.00 Uhr, Evangelische Kirche Ranzin -(im Rahmen der "Dorfkirchenreise") Ein russisch-deutsches Harfenrecital

In der 64. Greifswalder Bachwoche "Bach und Russland" darf die Harfe nicht fehlen. Russland ist in der Harfenwelt neben Frankreich und Deutschland zur dritten Großmacht geworden. Die Berliner Harfenisten Albert Zabel (1834-1910) und Wilhelm Posse (s.u.) initiierten den Aufschwung der Harfenkultur in Russland. Zabel wurde in Sankt Petersburg Soloharfenist und später Professor; Posse blieb als Hochschullehrer und Mitglied der königlichen Kapelle in Berlin. In Russland wird noch immer von der "deutschen Schule" in Bezug auf die Spieltechnik gesprochen, die Posses bekannteste russische Schülerin Vera Dulova als Professorin am Moskauer Konservatorium vermittelte. Seit dieser Zeit inspirieren russische Harfenisten/innen Komponisten wie z. B. Prokofjew und Khatchaturian, Solowerke für die Harfe zu schreiben. Dieses Programm stellt die Geschichte der Harfe als Konzertinstrument vor.

Werke von: Sergej Prokofjew (1891-1953), Francois-Joseph Dizi (1780-1840), Gabriel Faure (1845-1924), Aram Khatchaturian (1903-1978), Ludwig Spohr (1784-1859), Michael Iwanowitsch Glinka (1804-1857), Wilhelm Posse (1852-1925)

Christoph Bielefeld, Harfe

Donnerstag, 3.6., 15.00 Uhr, Evangelische Kirche Liepen - (im Rahmen der "Dorfkirchenreise")

Ein königliches Thema - Wandlung vom Irdischen zum Himmlischen

Die Entstehungsgeschichte des Werkes ist uns überliefert: Anlässlich einer Audienz bei Friedrich dem Großen im Mai 1747 improvisierte Bach eine dreistimmige Fuge über ein Thema, das ihm der König vorgegeben hatte. Zurückgekehrt nach Leipzig arbeitete Bach einen Zyklus von 13 Stücken über das Königsthema aus und ließ die Noten in Kupfer gestochen dem König übergeben. Die Abfolge der Stücke gleicht nicht selten einem sich perfektionierenden rhetorischen Fluss. Häufig ist die an Komplexität wachsende Struktur kompositorisch kaschiert - sei es durch Einklang einer eintretenden Stimme mit der benachbarten, Führung der Stimmen in Gegenbewegung oder anderem. Der Hörer sei hier durch die Worte des römischen Rhetors Quintilian angeregt: "Ich fordere auf zu suchen und bezeuge, dass entdeckt werden kann".

Johann Sebastian Bach: Sonate G-Dur BWV 1038 für Traverso, Violino und Basso continuo; Musicalisches Opfer BWV 1079 für Traverso, Violino, Violoncello und Hammerclavier

Leipziger Concert mit: Dora Ombodi, Traversflöte; Rahel Mai, Violine; Siegfried Pank, Violoncello; Ludger Remy, Hammerflügel

Freitag, 4.6., 20.00 Uhr, St. Jacobi

Große Kammermusik

Im Mittelpunkt der Großen Kammermusik steht der Gedanke des Konzertierens. Verkörpert wird dieser im musikalischen Wettstreit zwischen Soloinstrumenten und Orchester, ebenso im Mit- und Gegeneinander unterschiedlicher Instrumentengruppen oder Stimmen. Bildet das Konzertieren für die Musik Bachs noch einen wesentlichen Grundgedanken, der sich - über die Konzerte hinaus - in vielfältiger Weise in seiner Musik manifestiert, findet sich bei Glasunow und Tschaikowski eher eine Zuspitzung auf das Gegenüber von Solist und Orchester. Dabei experimentiert Glasunow mit den Klangwirkungen des damals als Soloinstrument noch recht selten verwendeten Saxophons. In Tschaikowskis "Rokoko"-Variationen zeigt sich das im 19. Jahrhundert zunehmend erwachende Interesse an der musikalischen Vergangenheit.

Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur, BWV 1050; Alexander Glasunow (1865-1936): Saxophonkonzert Es-Dur op.109; Peter Iljitsch Tschaikowski (1840-1893): Variationen über ein Rokokothema op. 33; Johann Sebastian Bach: Suite Nr. 2 h-Moll BWV 1067

Frank Lunte, Saxophon; Christina Fassbender, Flöte; Felix Nickel, Violoncello; Lutz Kohl, Cembalo; Kammerorchester der Komischen Oper Berlin; Konzertmeister: Gabriel Adorj?n

Freitag, 4.6., 22.00 Uhr, Stadthalle Greifswald

Brusscussion

Musik für großes Blechbläser- und Schlagwerkensemble Das Ensemble BRASSCUSSION erlebte sein Debüt 2008 im Rahmen der Greifswalder Bachwoche. Unter der Leitung von Reinhard Toriser spielen Musiker aus Berliner Orchestern, freischaffende Musiker sowie Musiker aus Lettland, Dresden und Österreich. Hauptwerk des Konzertprogramms 2010 ist "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski in einer Bearbeitung von Michael Allan und Reinhard Toriser. Zusammen mit der "Festiven Ouvertüre" von Dmitri Schostakowitsch, Teilen aus der "Nussknacker-Suite" sowie "Zwischen Tag und Nacht" von Nebojsa Zivkovic und erleben Sie ein bunt gemischtes und außergewöhnliches Konzertprogramm, das Ihnen durch die Erweiterung der bekannten "Pauken und Trompeten" eine Klangkombination vorstellt, die die königliche Verherrlichung ausdrückt.

Richard Strauss (1864-1949): Fanfare "Also sprach Zaratustra"; Nebojsa Zivkovic (geb. 1962): Zwischen Tag und Nacht; Dmitri Schostakowitsch (1906-1975): Festive Ouvertüre; Peter Tschaikowski (1840-1893): Aus "Der Nussknacker"; Modest Mussorgski (1839-1881): Bilder einer Ausstellung

Ensemble BRASSCUSSION; Leitung: Reinhard Toriser

Das Konzert wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der "Gesellschaft zur Förderung der Greifswalder Bachwoche e.V."

Samstag, 5.6., 16.00 Uhr, Aula der Universität

"... Bachmanowitsch"

Drei in einem: Bach, Rachmaninoff und Schostakowitsch. Ein Schelm, wer an Verballhornung denkt. Diese Wortschöpfung ist programmatisch, denn alle Werke des Programms werden auseinandergenommen und über Komponistengrenzen hinweg neu montiert und improvisatorisch verbunden. Damit ergeben sie ein neues Werk, das ein gewisser Bachmanowitsch hätte schreiben können. Das Ziel: Schaffung neuer Kontexte, dadurch Konfrontieren mit ungewohnten stilistischen Kontrasten und Provozieren neuen Hörverhaltens. Das "Material": die barocke Formen- und Ausdruckswelt einer Bachschen Solosuite (1720 oder davor), Rachmaninoffsche filigran-üppige Spätromantik (zwischen 1892 und 1910) und die moderne Klassizität der durch strenge Formgebung und stringente Musikalität immer wieder begeisternden Cellosonate Schostakowitschs (1934).

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Suite d-Moll BWV 1008; Dmitri Schostakowitsch (1906-1975): Sonate d-Moll op. 40; Sergej Rachmaninoff (1873-1943): Preludes

Torsten Harder, Violoncello; Raik Harder, Klavier

Samstag, 5.6., 22.00 Uhr, Katholische Kirche St. Josef, 22.00 Uhr

Bayan und Violoncello

Das Bayan, ein akkordeonartiges russisches Volksinstrument, ist in den letzten Jahrzehnten vor allem durch die Kompositionen von Sofia Gubaidulina für die neue Musik entdeckt worden. Dabei hat es ganz neue Ausdruckmöglichkeiten gewonnen, vor allem quasi naturalistische Effekte, die mit einer besonderen Balgtechnik Seufzen, Stöhnen, Schreien imitieren. Diese spezifische Expressivität des Bayans verbindet sich in unserem Konzert mit dem Klang des Violoncellos, das ungeachtet seines über die Jahrhunderte fast gleich gebliebenen Erscheinungsbildes seinerseits eine große differenzierte Klangkarriere durchgemacht hat: vom eher nüchternen Generalbass über die romantische Gefühlsstimme bis zum beliebten Experimentierinstrument avantgardistischer Komponisten. Schließlich ist es auch das Programm des Konzerts, das große Kontraste und unerwartete Zusammenhänge zwischen dem 14., 18. und 20. Jahrhundert erwarten lässt. Man darf gespannt sein, welche Brücken die beiden Interpreten zwischen den vielleicht jeweils bedeutend sten Komponisten des Mittelalters und der Neuzeit, Machaut und Bach, sowie der prominenten "Querkomponistin" Gubaidulina zu schlagen vermögen. Womöglich ist es gerade das gemeinsame Moment des Transzendierens - in Form und Ausdruck -, das die weit auseinander liegenden Werke vereint.

Werke von Guillaume de Machaut (um 1300-1377), Sofia Gubaidulina (geb. 1931), Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Elsbeth Moser, Bayan; Nicolas Altstaedt, Violoncello

Samstag, 5.6., 24.00 Uhr, Dom St. Nikolai

Orgelmusik von Johann Sebastian Bach

Im Original und in Transkription für Klavier von Iwan Karlowitsch Tscherlitzki

Eine wichtige Rolle für die Verbreitung der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs im orgelarmen Russland spielen die Klaviertranskriptionen von Iwan Karlowitsch Tscherlitzki (auf den Titelblättern der Editionen erschien sein Name als Jean Tscherlitzky). Nachdem der künstlerische Leiter der Greifswalder Bachwoche diesen Hinweis in der Literatur gefunden und daraus die Programmidee entwickelt hatte, originale Orgelfassungen und Klaviertranskriptionen in einem Konzert gegenüberzustellen, erwies es sich als gar nicht einfach, an das Tscherlitzky-Notenmaterial zu gelangen. Zuletzt forschte Prof. Dr. Vladimir Gurewitsch aus St. Petersburg in den dortigen Bibliotheken und fand einige Präludien und Fugen (Danke!). Das Auffinden von umgeschriebenen Choralbearbeitungen jedoch blieb uns bisher verwehrt: So kommt in unserem Nachtkonzert mit Busoni auch noch ein weiterer Bach-Bearbeiter zum Zug, der gegenüber Tscherlitzky freilich weitaus berühmter ist.

Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge e-Moll BWV 533; Transkription für Klavier von Jean Tscherlitzky (1799-1865) - Originalfassung für Orgel

Fuge g-Moll BWV 578 "Nun komm der Heiden Heiland", Choralbearbeitung BWV 659 aus den "Leipziger Chorälen", Originalfassungen für Orgel

Fuge g-Moll BWV 578 Transkription für Klavier von Jean Tscherlitzky, "Nun komm der Heiden Heiland", Choralbearbeitung BWV 659 aus den "Leipziger Chorälen", Bearbeitung für Klavier von Ferruccio Busoni (1866-1924)

Präludium und Fuge h-Moll BWV 544, Transkription für Klavier von Jean Tscherlitzky (1799-1865) - Originalfassung für Orgel

Johannes Gebhardt, Klavier; Matthias Schneider, Orgel

Sonntag, 6.6., 16.00 Uhr, Kirche in Wieck

Nun erzähl mir, Njanjuschka...

Liedernachmittag

Sergej Prokofjew (1891-1953): "Das hässliche junge Entlein" op. 18; Sergej Prokofjew (1891-1953): "Visions fugitives" op. 22 für Klavier solo; "Drei Kinderlieder" op. 68; Sergej Rachmaninoff (1873-1943): "Vocalise" op. 34 Nr. 14; Johann Sebastian Bach: Aus: Violinpartita Nr. 3 BWV 1006 (Bearbeitung für Klavier solo von Sergej Rachmaninoff) Modest Mussorgski (1839-1881): "Kinderstube"

Mechthild Kornow, Sopran; Olga Bille, Klavier

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