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Bossa Nova Bach
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Elbeblech mit neuen Tönen in Schönwalde II

Passt die Feier des siebzigsten Geburtstages einer so ehrwürdigen Traditionsveranstaltung wie der Greifswalder Bachwoche nur in ebenso ehrwürdige gotische Backstein-Kathedralen? Weit gefehlt! Die Bachwoche zieht es in diesem Jahr erst recht mal hinaus aus der Greifswalder Altstadt in das Plattenbaugebiet Schönwalde II - an einen Veranstaltungsort mit der schönen Adresse Makarenkostr. 54. Ihr geht es eben nicht um den Klassik-Zuckerguss zur mittelalterlichen Hansestadt-Kulisse, sondern gerade auch um die Menschen, die etwas abseits der Touristenpfade im ganz normalen Wohngebiet leben und vielleicht auch nicht gerade zur Bachwochen-Stammkundschaft zählen.

Die Musik beim Konzert in der Aula des Humboldtgymnasiums bietet denn auch klanglich eine etwas andere Bachwoche: "So gut wie Bach" heißt das Programm des Hamburger Blechbläserquintetts "Elbeblech" mit ungewöhnlichen Arrangements von Werken Bachs - oder eben gerade nicht Bachs. "Einige Titel sind unter Bachs Namen bekannt geworden, tatsächlich aber von anderen komponiert und Bach nur zugeschrieben worden, weil er sie einmal ohne vollständige Urheberangabe abgeschrieben hat", sagt Tubist Stefan Kaundinya. Andere Stücke hat Bach selbst bereits einem Kollegen seiner Zeit (Vivaldi) entlehnt und bearbeitet.

Das große Anliegen der "begnadeten Instrumentalisten" (Kieler Nachrichten) von Elbeblech ist es, die barocke Musik auch in ihrer Besetzung "barock" klingen zu lassen, "selbst wenn es unsere Instrumente zu Bachs Zeit in dieser Form noch nicht gegeben hat", betont Kaundinya. Aber auch eine Besetzung mit Geigen müsse nicht unbedingt den barocken Klang garantieren.

Ganz modern klingt es dann, wenn Elbeblech Bachs Musik zum Mitwippen bietet. Wer etwa das "Agnus die" aus der h-Moll-Messe noch nie als Bossa Nova gehört hat, dazu in einem Bläsersound, der laut Kritikern von "Strahlen" über "Protzen" bis zu "schnörkellosem und delikatem Spiel" reicht, der sollte sich das Bachwochen-Konzert im Plattenbau nicht entgehen lassen: Donnerstag, 16. Juni, 16 Uhr.

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