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Letzter Tag: Festgottesdienst, Liedernachmittag und großes Abschlusskonzert
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Sofia Gubaidulina

Im Festgottesdienst um 10 Uhr wird im Dom St. Nikolai das "Osteroratorium" (BWV 249) von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Am Ostermorgen treffen vier Jüngerinnen und Jünger am leeren Grab aufeinander: Wie im Markusevangelium wollen Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, den Leichnam Jesu salben. Und Petrus und Johannes treffen wie im Johannesevangelium nach ihrem "Wettlauf" ein. In dieser Kombination ist die Szene nur in der Passions- und Oster-Harmonie des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen möglich, die zu Bachs Zeiten in jedem Gesangbuch abgedruckt war. Bachs Musik malt die Ereignisse plastisch aus: Das Eilen und Laufen der Jünger ebenso wie den wunderbaren Frieden in der zentralen Tenor-Arie "Sanfte soll mein Todeskummer": Die gläubige Seele besingt die Überwindung eigener Todesangst durch die Auferstehung Christi. "Es ist, als schaue man träumend über leichtbewegte Meereswogen nach den Gefilden der Ewigkeit aus." (Albert Schweitzer). Die Predigt hält übrigens der derzeit wohl höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Norddeutschland: Der auch als Prediger der SAT.1-Fernsehserie "So gesehen" bekannte Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich ist zugleich Vorsitzender der gemeinsamen Kirchenleitung der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Kirche, die ab 2012 die "Nordkirche" bilden wollen. Danach gibt's Kaffee und auf den großen abendlichen Höhepunkt kann man sich anschließend einstimmen um 12 Uhr im Konferenzraum im Hauptgebäude der Universität beim Vortrag "Die Erde mit dem Himmel verbinden" - Zu Sofia Gubaidulinas Johannes-Passion und Johannes-Ostern. Der Vortragende, Hans-Ulrich Duffek, ist Direktor des Hamburger Musikverlages Sikorski und hat u.a. die deutsche Adaption von Sofia Gubaidulinas Passions- und Auferstehungsoratorium nach Johannes gestaltet.

Die Kirche in Wieck lädt um 16 Uhr zu einem Liedernachmittag der Sopranistin Mechthild Kornow (Klavier: Olga Bille) mit entzückenden Kinderliedern von Prokofjew, Rachmaninoff und Mussorgski ein: "Nun erzähl mir, Njanjuschka ..."

Um 19 Uhr beginnt im Dom St. Nikolai das große Haupt- und Abschlusswerk dieser Bachwoche, die Passion und Auferstehung Jesu Christi nach Johannes von Sofia Gubaidulina (geb. 1931), Sofia Gubaidulinas Johannes-Passion, in der sie der Passionserzählung des Evangelisten Johannes Texte aus der Offenbarung des Johannes gegenüberstellt, war ursprünglich Teil des von der Stuttgarter Bachakademie angeregten Projekts "Passion 2000" anlässlich des Bachjahres. Erst später ergänzte Gubaidulina die Passion durch das "Johannes-Ostern" genannte Auferstehungsoratorium. Waren die beiden Teile des Johannes-Zyklus bei dessen deutschsprachiger Erstaufführung 2007 in der wiederaufgebauten Frauenkirche zu Dresden noch in getrennten Konzerten zu hören, so erklingt im Abschlusskonzert der diesjährigen Bachwoche nach der Intention der Komponistin die Gesamtaufführung des Werkes. 5. 6. 2010 gez. R. Lampe

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