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"Langer Samstag" bei Greifswalder Bachwoche
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Elsbeth Moser - Bayan

Predigtpreis, Jugendtanz, Bachmanowitsch, Ballett, Bayan und Mitternachtsorgel

Wer bei den Geistlichen Morgenmusiken predigt, ist den Musikfreunden, die sich auf die Bachkantate freuen (am Samstag "Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen", BWV 145) meist nicht so wichtig. Mit Pastorin Kathrin Oxen aus Bützow jedoch ist die Predigerin diesmal immerhin die aktuelle Trägerin des "Deutschen Predigtpreises"! Diese Geistliche Morgenmusik findet übrigens nicht im Dom, sondern in St. Marien statt.

Ein Experiment mit viel Charme wird um 12 Uhr im Dom St. Nikolai zu besichtigen sein. Die halbe Kirche ist in ein Tanzpodest verwandelt, auf dem Jugendliche aus Greifswald zum ersten Mal im Leben Ballet tanzen! "Eine wundersame Reise" heißt das Tanzstück nach dem Märchen "Der blaue Vogel" von Maurice Maeterlinck, das Schüler des Alexander-Humboldt-Gymnasiums, des Fachgymnasiums und aus dem Hip Hop Projekt von Viktor Kern (Schönwalde II) unter Leitung von Ballettmeisterin Sabrina Sadowska vom Theater Vorpommern entwickelten. Getanzt wird u.a nach Rimski-Korsakovs "Hummelflug" und Khachaturians "Säbeltanz". Das aufwändige Projekt wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des Rotary-Clubs Greifswald.

Dass für den Titel "Bachmanowitsch" des Kammerkonzertes um 16 Uhr in der Aula der Universität die drei Komponisten Bach, Rachmaninoff und Schostakowitsch Pate standen, ist unüberhörbar. Die Wortschöpfung ist programmatisch, denn alle Werke des Programms werden auseinander genommen und neu montiert. Das Brüderpaar Torsten (Violoncello) und Raik Harder (Klavier) schaffen so ganz neue musikalische Kontexte. Im Theater Vorpommern gibt es um 20 Uhr die ideale künstlerische Umsetzung des Mottos "Bach und Russland" in ein weiteres Genre: Ralf Dörnens zwei Ballette: "Goldberg-Variationen/ Le Sacre du printemps" zur Musik von Bach und Strawinski. Diese Choreografie hat in der Tanzwelt weithin Aufsehen erregt: "Strawinskys Sacre mag 1913 das Theater in seinen Grundfesten erschüttert haben. Ausgerechnet nach Greifswald muss man fahren, um seine Nachbeben zu spüren." (DIE ZEIT)

Beim Konzert für "Bayan und Violoncello" um 22 Uhr in der katholischen Kirche St. Josef geht es nicht um Folklore, obwohl das Bayan ein volkstümliches russisches Knopfakkordeon ist. Es erklingen Werke von Guillaume de Machaut (14. Jh.), Bach (18. Jh.) und Sofia Gubaidulina (geb. 1931), also mittelalterliche, Barock- und Neue Musik. Die Schweizerin Elsbeth Moser hat als herausragende Akkordeon-Virtuosin wesentlich dazu beigetragen, dass das Bayan als seriöses Konzertinstrument anerkannt ist. Der junge deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt, der kürzlich mit dem "Credit Suisse Young Artist Award 2010" ausgezeichnet wurde, trifft sich häufig zu Kammermusik-Sternstunden mit Gidon Kremer oder Daniel Hope.

Und im Dom St. Nikolai erklingt ab Mitternacht, 24 Uhr, Orgelmusik von Johann Sebastian Bach im Original und in Transkription für Klavier. Im Russland des 18. und 19. Jahrhunderts wurden wegen des dortigen Mangels an Orgeln solche Klaviertranskriptionen gebraucht. Unser Konzert stellt bekannte Kompositionen in Originalfassung und auf dem Klavier nebeneinander. Es spielen Johannes Gebhardt, Klavier, und Matthias Schneider, Orgel.

4. 6. 2010 gez. R. Lampe

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